{"id":2630,"date":"2025-06-02T15:46:00","date_gmt":"2025-06-02T13:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.knauthe.com\/referentenentwurf-des-bundesbauministeriums-zum-wohnungsbauturbo-was-ist-moeglich-und-wie-geht-es-jetzt-weiter\/"},"modified":"2026-07-08T11:06:31","modified_gmt":"2026-07-08T09:06:31","slug":"referentenentwurf-des-bundesbauministeriums-zum-wohnungsbauturbo-was-ist-moeglich-und-wie-geht-es-jetzt-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.knauthe.com\/en\/referentenentwurf-des-bundesbauministeriums-zum-wohnungsbauturbo-was-ist-moeglich-und-wie-geht-es-jetzt-weiter\/","title":{"rendered":"Referentenentwurf des Bundesbauministeriums zum \u201eWohnungsbauturbo\u201c: Was ist m\u00f6glich und wie geht es jetzt weiter?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Bundesministerium f\u00fcr Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat k\u00fcrzlich einen Gesetzentwurf f\u00fcr eine Baugesetzbuch-\u00c4nderung vorgelegt. Dieser soll endlich den Wohnungsbau und die Schaffung von Wohnraum beschleunigen und erleichtern. Wesentliche Regelungen werden kurz betrachtet, Handlungsspielr\u00e4ume aufgezeigt und wichtige n\u00e4chste Schritte aufgezeigt. Wir werden uns zudem in den n\u00e4chsten Wochen mit allen Neuregelungen detaillierter auseinandersetzen.<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Wesentliche Regelungen der BauGB-Novelle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wesentlich f\u00fcr den Wohnungsbau sind die geplanten Regelungen des \u00a7 31 Absatz 3 BauGB, \u00a7 34 Absatz 3 a) BauGB, \u00a7 36 a) BauGB und \u00a7 246 e) BauGB.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.1<\/strong> <strong>\u00a7 31 Absatz 3 BauGB: Befreiung von Festsetzungen des Bebauungsplans zugunsten des Wohnungsbaus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die geplante Neuregelung des \u00a7 31 Absatz 3 BauGB erm\u00f6glicht nun auch \u00fcber den Einzelfall hinaus eine Befreiungserteilung von Festsetzungen eines Bebauungsplanes zugunsten des Wohnungsbaus. Der Gesetzgeber m\u00f6chte bewusst die Aufstockung und Erweiterung von bestehenden Wohngeb\u00e4uden sowie Hinterlandbebauungen erm\u00f6glichen. Der Begriff des \u201eWohnungsbaus\u201c ist weit zu verstehen. Neben dem Neubau soll die Erweiterung, \u00c4nderung und Nutzungs\u00e4nderung von bestehenden Geb\u00e4uden erfasst sein. Damit best\u00fcnde die lange erhoffte M\u00f6glichkeit, Gewerbe- und B\u00fcrogeb\u00e4ude in Wohnraum umzunutzen. Gerade das Bauplanungsrecht hatte dies bisher oft blockiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grenze der Befreiungsregelung:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zustimmung der betroffenen Gemeinde ist erforderlich und die Befreiung muss mit \u00f6ffentlichen Belangen vereinbar sein. Die Vereinbarkeit mit \u00f6ffentlichen Belangen liegt nur vor, wenn die Befreiung unter Ber\u00fccksichtigung der Kriterien der <em>Anlage 2 zum BauGB voraussichtlich keine zus\u00e4tzlichen erheblichen Umweltauswirkungen<\/em> hat. Damit wird eine Umgehung europ\u00e4ischen Umweltrechts verhindert und die Europarechtskonformit\u00e4t hergestellt. Denn durch die Befreiungserteilung kann die \u00c4nderung eines Bebauungsplanes entbehrlich gemacht werden, die ihrerseits ggf. eine Umweltpr\u00fcfung erfordern k\u00f6nnte. \u00d6ffentliche Belange d\u00fcrften jedenfalls gewahrt sein im Falle der Errichtung von weniger als 20.000 m\u00b2 zul\u00e4ssiger Grundfl\u00e4che (\u00a7 19 Absatz 2 BauNVO). In diesem Falle w\u00e4re ein beschleunigtes Bebauungsplanverfahren nach \u00a7 13a BauGB ohne Durchf\u00fchrung einer Umweltpr\u00fcfung zul\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.2 \u00a7 34 Absatz 3 a) BauGB: Erweitertes Baurecht im Innenbereich ohne Bebauungsplan zugunsten des Wohnungsbaus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Neuregelung erm\u00f6glicht Baugenehmigungen f\u00fcr Grundst\u00fccke, in denen kein Bebauungsplan existiert, die sich aber in einem Bebauungszusammenhang befinden. Bisher mussten sich Bauvorhaben in die \u201eEigenart der n\u00e4heren Umgebung\u201c einf\u00fcgen, d.h., sie mussten sich insb. nach H\u00f6he, Baumasse, Grundfl\u00e4che und Nutzungsart in die bestehende Bebauungsstruktur einf\u00fcgen (von Ausnahmef\u00e4llen abgesehen). Hier soll zugunsten des Wohnungsbaus bewusst eine \u00dcberschreitung bestehender Nutzungsma\u00dfe zugelassen werden. Ebenso soll eine Aufstockung von Nicht-Wohngeb\u00e4uden durch Wohnungen (bspw. Superm\u00e4rkte) zugelassen werden. Es werden M\u00f6glichkeiten geschaffen, mehr Baugenehmigungen ohne Aufstellung eines sonst erforderlichen Bebauungsplanes zu erteilen. Dies spart vor allem Zeit (Vorhabentr\u00e4ger\/innen aber auch viel Geld).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Grenze der Regelung stellt aber wiederum die Zustimmungspflicht der Gemeinde nach \u00a7 36 a) BauGB dar, um der verfassungsrechtlichen gemeindlichen Selbstverwaltungshoheit Rechnung zu tragen. Ebenso muss das nach \u00a7 34 Absatz 3 a) BauGB zul\u00e4ssige Bauvorhaben wiederum mit nachbarlichen Interessen und \u00f6ffentlichen Belangen vereinbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.3&nbsp;\u00a7 36 a) BauGB: Zustimmungspflicht der Gemeinden im Falle des \u00a7 31 Absatz 3, \u00a7 34 Absatz 3 a) BauGB<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um den weitreichenden M\u00f6glichkeiten der Befreiungserteilung nach \u00a7 31 Absatz 3 BauGB und der Baugenehmigungserteilung nach \u00a7 34 Absatz 3 a) BauGB Rechnung zu tragen, muss die betroffene Gemeinde der Befreiung oder der Baugenehmigung zustimmen. \u00a7 36 a) Absatz 1 Satz 2 BauGB besagt, dass die Gemeinde die Zustimmung erteilt, wenn das Vorhaben mit ihren Vorstellungen von der st\u00e4dtebaulichen Entwicklung und Ordnung vereinbar ist. Hiermit wird sichergestellt, dass die kommunale Selbstverwaltungshoheit gewahrt und st\u00e4dtebauliche Entwicklungskonzepte und \u2013pl\u00e4ne nicht umgangen werden k\u00f6nnen. Die Zustimmung kann unter der Bedingung erteilt werden, dass der Vorhabentr\u00e4ger(in)\/Bauherr(in) sich verpflichtet, bestimmte st\u00e4dtebauliche Anforderungen einzuhalten. Die Gemeinden k\u00f6nnen nach Vorstellung des Gesetzgebers also an dieser Stelle mit den Bauherrn\/der Bauherrin Vereinbarungen treffen, die sonst \u00fcblicherweise im Rahmen st\u00e4dtebaulicher Vertr\u00e4ge geschlossen werden (Vorgaben zum sozialen Wohnungsbau bspw.). Damit wird \u2013 trotz Bindung an Gesetz und Recht \u2013 ein weiter Verhandlungsspielraum zugunsten der Gemeinden er\u00f6ffnet. Es bleibt abzuwarten, ob die Regelung des \u00a7 36 a BauGB in Berlin auch auf die Bezirke Anwendung finden wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.4&nbsp;\u00a7 246 e) BauG: \u201eBauturbo\u201c und \u201eExperimentierklausel\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die weitreichendsten Abweichungsm\u00f6glichkeiten vom geltenden Bauplanungsrecht (insb. BauGB, BauNVO, bestehende Bebauungspl\u00e4ne) erm\u00f6glicht diese geplante Neuregelung, befristet bis zum 31.12.2030. Bauvorhaben sollen ohne Bebauungsplanverfahren in den nachfolgenden F\u00e4llen genehmigt werden k\u00f6nnen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Errichtung eines Wohngeb\u00e4udes mit mind. 6 Wohnungen,<\/li><li>Erweiterung, \u00c4nderung oder Erneuerung eines rechtm\u00e4\u00dfig errichteten Wohngeb\u00e4udes, wenn neuer Wohnraum geschaffen oder Wohnraum wieder nutzbar gemacht wird,<\/li><li>Nutzungs\u00e4nderung eines rechtm\u00e4\u00dfig errichteten Geb\u00e4udes in ein Wohngeb\u00e4ude (einschlie\u00dflich \u00c4nderung\/Erneuerung).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00e4umlich erfasst sind sowohl Gebiete, f\u00fcr die ein Bebauungsplan existiert, als auch Gebiete, f\u00fcr die kein Bebauungsplan existiert, die sich aber in einem Bebauungszusammenhang (\u00a7&nbsp;34 BauGB) befinden sowie Grundst\u00fccke im Au\u00dfenbereich (\u00a7 35 BauGB), die sich in der N\u00e4he eines Siedlungsbereichs oder bebauten Gebiets (\u00a7 30 Absatz 1, 2, \u00a7 34 BauGB) befinden (\u00a7 246 e) Absatz 3 BauGB). Ein Abstand von maximal 100 m d\u00fcrfte die Grenze bilden, um noch einen r\u00e4umlichen Zusammenhang zu bestehenden Siedlungsbereichen annehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zeitlich k\u00f6nnen Baugenehmigungsverfahren auf Basis des \u00a7 246 e) BauGB bis zum 31.12.2030 durchgef\u00fchrt werden (\u00a7 246 e) Absatz 4 BauGB).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch hier ist die Zustimmung der Gemeinde zur Erteilung von Baugenehmigungen erforderlich, \u00a7 246 e) Absatz 1 Satz 1 i.V.m. \u00a7 36 a) BauGB. Ferner bildet das Umweltrecht eine Grenze: Die Baugenehmigung darf nur erteilt werden, wenn die Abweichung von geltendem Bauplanungsrecht (unter W\u00fcrdigung nachbarlicher Interessen) mit \u00f6ffentlichen Belangen vereinbar ist. Dies ist nur dann der Fall, wenn sie unter Ber\u00fccksichtigung der Kriterien der Anlage 2 zum BauGB voraussichtlich zu keinen zus\u00e4tzlichen erheblichen Umweltauswirkungen f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der BauGB-Novelle k\u00f6nnte ein gro\u00dfer Beitrag zur Beschleunigung des Wohnungsbaus geleistet werden. Insbesondere der Wegfall des Einzelfall-Bezugs in \u00a7 31 Abs.3 BauGB w\u00e4re sehr hilfreich, um mehrfach Aufstockungen und Nachverdichtungen zuzulassen. Auch oft ungenutzte Hinterlandgrundst\u00fccke k\u00f6nnten endlich leichter bebaut werden. Diese brachliegenden Fl\u00e4chen gilt es insbesondere in Gro\u00dfst\u00e4dten zu nutzen. Vor allem im Westteil Berlins, f\u00fcr den der Baunutzungsplan, ein alter Bebauungsplan aus dem Jahre 1960 mit nicht mehr zeitgem\u00e4\u00dfen zu geringen Nutzungsma\u00dfen gilt, bietet \u00a7 31 Absatz 3 BauGB mehr Flexibilit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ferner w\u00e4re eine weite Auslegung des \u201eGebots des Einf\u00fcgens\u201c durch die Neuregelung des \u00a7 34 Absatz 3 a) BauGB eine gro\u00dfe Hilfe in Gebieten mit geringen Nutzungsma\u00dfen\/Geb\u00e4udeh\u00f6hen und Baumassen. Durch die gemeindliche Zustimmung wird ein Einf\u00fcgen geplanter Vorhaben in die Umgebung sowohl hinsichtlich der Nutzungsarten, als auch der Bauvolumen kontrollierbar. Auch die Nutzungs\u00e4nderung von B\u00fcro-\/Gewerbegeb\u00e4uden in Wohnnutzungen wird endlich erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch birgt das Zustimmungsinstrument des \u00a7 36 a) BauGB auch die Gefahr, dass Gemeinden je nach politischer Ausrichtung anfangen, mit den Vorhabentr\u00e4gern\/Bauherrn \u00fcber Themen wie bspw. den sozialen Wohnungsbau oder die Grundst\u00fccksbegr\u00fcnung in ungesundem Ma\u00dfe zu \u201efeilschen\u201c. Dies ist leider im Zusammenhang mit der Befreiungserteilung nach \u00a7 31 Absatz 2 BauGB bereits teilweise gelebte Praxis. Auch ist noch unklar, in welchem Umfang Gemeinden im Einzelfall die Einhaltung \u201ebestimmter st\u00e4dtebaulicher Anforderungen\u201c von Bauherrn\/innen verlangen k\u00f6nnen. Die Anforderungen im Falle des Verzichts auf einen Bebauungsplan sind andere als im Falle der Erteilung einer Befreiung nach \u00a7 31 Absatz 3 BauGB oder einer Baugenehmigung nach \u00a7 34 Absatz 3 a) BauGB.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr eine sinnvolle Handhabung des \u00a7 246 e) BauGB gilt es seitens der Bauherrn\/in zusammen mit den betroffenen Gemeinden z\u00fcgig und gleich zu Beginn eines Planungsprozesses eine Umsetzungsstrategie zu erarbeiten. Soll auf ein Bebauungsplanverfahren verzichtet werden, m\u00fcssen die betroffenen \u00f6ffentlichen und privaten Belange im Einzelfall dennoch gewahrt bleiben. Wer k\u00fcnftig die notwendigen (fachgutachterlichen) Nachweise insb. f\u00fcr die Einhaltung der Vorgaben zum Umweltschutz, Immissionsschutz, Denkmalschutz und menschlicher Gesundheit erbringen muss, ist offen. Bauherrn w\u00e4ren gut beraten, im Vorfeld des Erwerbs eines potentiellen Baugrundst\u00fccks oder bei Pr\u00fcfung von potentiellen Nachverdichtungsoptionen pr\u00fcfen zu lassen, inwieweit die Neuregelungen des BauGB die Genehmigungsf\u00e4higkeit erm\u00f6glichen und welche Nachweise f\u00fcr die Baugenehmigung zu erbringen sind. Auch bei Nutzungs\u00e4nderungen von Gewerbe in Wohnen w\u00e4re dies im Einzelfall zu pr\u00fcfen. Hier spielen wiederum auch bauordnungsrechtliche Fragen eine Rolle. Risiken sollten fr\u00fchzeitig ermittelt werden, um nicht dem Irrglauben zu verfallen, nun sei ein \u201ePersilschein\u201c f\u00fcr jegliche Wohnbebauung erteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.knauthe.com\/en\/20250602_dahlke_baugb-novelle_2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF\/Drucken<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesministerium f\u00fcr Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat k\u00fcrzlich einen Gesetzentwurf f\u00fcr eine Baugesetzbuch-\u00c4nderung vorgelegt. Dieser soll endlich den Wohnungsbau und die Schaffung von Wohnraum beschleunigen und erleichtern. Wesentliche Regelungen werden kurz betrachtet, Handlungsspielr\u00e4ume aufgezeigt und wichtige n\u00e4chste Schritte aufgezeigt. Wir werden uns zudem in den n\u00e4chsten Wochen mit allen Neuregelungen detaillierter auseinandersetzen. 1. 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